Experimentelle Archäologie

Seit 2009 erforscht ein internationales Team der Römisch-Germanischen Kommission (RGK) des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) die Großsiedlung am Fundplatz Stolniceni I in Moldawien (3900–3700 v. Chr.). Die kupferzeitliche Siedlung der Tripolje-Kultur umfasste 400 Häuser, die in einem detaillierten Lageplan rekonstruiert werden konnten. Unter anderem fand man Hinweise auf 10-15 Töpferöfen, von denen drei während der Ausgrabungen freigelegt werden konnten. Sie bildeten die Grundlage für einen experimental-archäologischen Versuch in Kooperation mit unserem Verein.
Auf unserem Experimentiergelände rekonstruierte das Team des Referats für Prospektions- und Grabungstechnik der RGK 2018 mit fast sieben Tonnen Lehm einen Ofen und schaffte es, darin Temperaturen von über 850 Grad Celsius zu erreichen.

Im Frühjahr 2020 wurde die Ofenkuppel durch die Milzener e.V. vollständig neu gestaltet, da die Versuche der letzten beiden Jahre einige Optimierungsmöglichkeiten offengelegt hatten. So zeigte sich, dass die Brandführung besser gelingt, wenn sich die Abluftöffnung am höchsten Punkt der Kuppel befindet. Zudem wurde die Stabilität der Kuppel durch eine dickere Wandung und eine verlängerte Bauzeit mit Zwischentrocknungszeiten deutlich erhöht. In etwas mehr als 6 Arbeitstagen war die alte Kuppel abgetragen und mit ca. 2,5 Tonnen Lehm neu errichtet. Mit den Brennversuchen 2019 und 2020 konnte erstmals auch Keramik erfolgreich im Ofen gebrannt werden.

https://www.dainst.blog/crossing-borders/2019/07/16/rekonstruktion-eines-toepferofens-der-tripolje-kultur/.

2021 wurde ein dritter Ofen gebaut und wird noch in diesem Jahr getestet.
Siehe dazu den Tagebucheintrag 2021 und folgenden Link: https://www.dainst.blog/experimentelle-archaeologie/

Der alte Ofen verfällt nun. Dieser Prozess wird kontinuierlich dokumentiert und in einigen Jahren kann der Ofen archäologisch ausgegraben werden. Damit schließt sich der Kreis von der Ausgrabung über die Rekonstruktion zur Nutzung und dem Verfall.

Briquetage Partnerschaft mit der Universität Jena